Der Film
  • Nach dem internationalen Erfolg von „Nirgendwo in Afrika“ kehrt Oscar®-Preisträgerin Caroline Link wieder nach Afrika zurück und präsentiert mit ihrem neusten Kinofilm EXIT MARRAKECH ein außergewöhnliches Familiendrama vor der faszinierenden Kulisse Marokkos.

    Als der 17-jährige Ben (Samuel Schneider) seinen Vater Heinrich (Ulrich Tukur), den gefeierten Regisseur, der in Marrakesch an einem internationalen Theaterfestival teilnimmt, besucht, beginnt für ihn kein Märchen aus Tausend und einer Nacht.

    Seine Umgebung ist ihm genauso fremd wie sein geschiedener Vater mit dem er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder seine Sommerferien verbringen soll. Während die beiden immer weiter auseinanderdriften, öffnet sich Ben mehr und mehr dem ihm fremden Land und sucht sich, fernab von Vaters Luxushotel, seine eigenen Wege in der unbekannten Welt. Er verliebt sich in die junge Karima (Hafsia Herzi) und folgt ihr in ihr entlegenes Heimatdorf im Atlasgebirge. Als Ben sich tagelang nicht meldet, macht sich Heinrich erst widerwillig, dann zunehmend besorgt, auf die Suche nach seinem verschwundenen Sohn. Während sie beide das ihnen fremde Land bereisen, scheint alles möglich zu sein: sich endgültig zu verlieren oder einander wieder neu zu finden…

    Das vielschichtig-erzählte Drama von Oscar®-Preisträgerin Caroline Link ist hochkarätig besetzt mit Ulrich Tukur (John Rabe, Das weiße Band, Das Leben der Anderen), Josef Bierbichler (Im Winter ein Jahr, Das weiße Band), Hafsia Herzi (Couscous mit Fisch, Haus der Sünde), Marie-Lou Sellem (Nichts bereuen, Gangs) und Samuel Schneider, der schon mit seinem ersten Auftritt in „Boxhagener Platz“ 2010 schauspielerisch glänzte.

    EXIT MARRAKECH ist die zweite Zusammenarbeit zwischen Caroline Link und Produzent Peter Herrmann nach ihrem gemeinsamen, großen Erfolg „Nirgendwo in Afrika“, für den Caroline Link 2003 den Oscar® erhielt. Peter Herrmann war zuletzt für „Anleitung zum Unglücklichsein“ und „Wüstenblume“ verantwortlich.

Besetzung




  • Ulrich Tukur
  • Samuel Schneider
  • Hafsia Herzi
  • Marie-Lou Sellem
  • Josef Bierbichler
  • ULRICH TUKUR (Heinrich)

    Ulrich Tukur wurde 1957 im hessischen Viernheim geboren. Er machte sein Abitur in Hannover und einen Highschool-Abschluss in Boston. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichte in Tübingen jobbte er als Sänger und Akkordeonspieler, bevor er eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart absolvierte. 1982 gab er in dieser Stadt sein Theaterdebüt, dem ein Engagement in Heidelberg folgte. Der Durchbruch gelang ihm als SS-Offizier Kittel in Peter Zadeks legendärer „Ghetto“-Inszenierung. Am Hamburger Schauspielhaus stand er zwischen 1985 und 1995 unter anderem in „Hamlet“, „Lulu“ und „Julius Cäsar“ auf der Bühne. Bei den Salzburger Festspielen war Tukur von 1999 bis 2001 der „Jedermann“.

    Sein Filmdebüt gab Tukur noch als Schauspielstudent in Michael Verhoevens Geschichtsdrama „Die weiße Rose“ (1982), später spielte er den RAF-Terroristen Andreas Baader in Reinhard Hauffs Berlinale-Gewinnerfilm „Stammheim“ (1986).

    An die 70 TV- und Kinorollen gehen heute auf das Konto des international erfolgreichen Stars. Mit Harvey Keitel spielte er in István Szabós „Taking Sides – Der Fall Furtwängler“ (2001), mit George Clooney in Steven Soderberghs „Solaris“ (2003) und neben Ulrich Noethen in Rainer Kaufmanns „Ein fliehendes Pferd“ (2006). Zu seinen zahlreichen weiteren Filmen zählen unter anderem „Bonhoeffer – Die letzte Stufe“ (2000), Costa-Gavras Hochhuth-Verfilmung „Der Stellvertreter“ (2002), „Seraphine“ (2008) und Michael Hanekes preisgekröntes Drama „Das weiße Band“ (2009). Im Fernsehen war Tukur unter anderen in mehreren „Tatort“-Folgen zu sehen, seit 2010 auch regelmäßig als Ermittler Felix Murot. Weitere TV-Rollen spielte er u.a. in „Eichmanns Ende“, „Gier“, „Die Nacht nach der großen Flut“, „Die Luftbrücke“, „Stauffenberg“ und „Nikolaikirche“.

    Für seine schauspielerischen Leistungen ist Ulrich Tukur bereits mehrfach ausgezeichnet worden. 1986 erhielt er von den Deutschen Theaterkritikern den Preis als Schauspieler des Jahres. 2000 folgte der Adolf-Grimme-Preis, 2004 der Deutsche Fernsehpreis für den Besten Schauspieler in dem ARD-Tatort „Das Böse“ sowie der Deutsche Filmpreis 2006 für seine schauspielerische Leistung als bester Nebendarsteller in dem Oscar®-preisgekrönten Film „Das Leben der Anderen“ (2006). Für seine Leistung in „John Rabe“ (2009) wurde Ulrich Tukur mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller ausgezeichnet. Daneben hat er auch als Musiker auf sich aufmerksam gemacht: Mit seiner Band Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys nahm er diverse Platten auf und feierte große Konzerterfolge.

    Im Kino war er zuletzt in Helmut Dietls Satire „Zettl“ (2012) zu sehen. Das Roadmovie „Houston“ des Regisseurs Bastian Günther, in dem Ulrich Tukur die Hauptrolle spielt, kommt 2013 in die deutschen Kinos. Außerdem spielte Tukur in dem historischen TV-Spielfilm „Rommel“ (2012) die Hauptfigur, Erwin Rommel.

  • SAMUEL SCHNEIDER (Ben)

    Samuel Schneider wurde im April 1995 geboren. Seit seinem zwölften Lebensjahr trainiert er regelmäßig am Special Coaching Actors Studio Berlin. Seine erste Kinorolle spielte er 2009 in Matti Geschonnecks „Boxhagener Platz“. Daneben war er in den Fernsehproduktionen „Familie Windtscheidt“, „Lily C.“, „Guter Junge“ und „13+1“ sowie im Kurzfilm „Schautag“ zu sehen. Seinen ersten Theaterauftritt hatte er in Robert Wilsons Inszenierung „Das Wintermärchen“ am Berliner Ensemble.

  • HAFSIA HERZI (Karima)

    Hafsia Herzi, 1987 in der Region Alpes-de-Haute-Provence geboren, stammt aus einer tunesisch-algerischen Familie und spielte ihre erste Rolle bereits im Alter von 13 Jahren in einem französischen Fernsehfilm. 2005 entdeckte sie der Regisseur Abdellatif Kechiche und gab ihr die Hauptrolle in seinem Film „Couscous mit Fisch“ (La graine et le mulet). Der Film wurde 2007 in Venedig beim Filmfestival uraufgeführt und Hafsia Herzi als beste Schauspielerin ausgezeichnet. 2008 erhielt sie für diese Rolle den französischen Filmpreis César in der Kategorie Beste Nachwuchsschauspielerin.

    Nach diesem Erfolg zog sie nach Paris und drehte Filme mit Raja Amari und Alain Guiraudie. Zudem lieh sie ihre Stimme für den Animationsfilm „Le Chat Du Rabbin“ (2011) von Joan Sfar. 2011 war sie mit zwei Spielfilmen im Wettbewerb von Cannes vertreten, in „Haus der Sünde“ (L’Apollonide – Souvenirs de la maison close), der 2012 auch in den deutschen Kinos lief sowie in Radu Mihaileanus „La source de femmes“. Sie wird in Emmanuelle Bercots „On my way“ (Elle s’en va, 2013) zu sehen sein und spielte zudem in Hiam Abbass‘ erstem Spielfilm „Inheritance“, der Ende 2012 in den französischen Kinos startete.

  • MARIE-LOU SELLEM (Lea)

    Marie-Lou Sellem, in Göttingen geboren, besitzt die deutsche und französische Staatsbürgerschaft und wuchs teilweise im französischen Rennes auf.

    Nach dem Abitur absolvierte sie an der Folkwang- Hochschule ihre Schauspielausbildung nach deren Abschluss zahlreiche Theaterengagements folgten, u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Theater Basel, dem Hamburger Schauspielhaus, dem Frankfurter Schauspiel, dem Staatstheater Stuttgart, dem Neumarkt Theater, dem Deutschen Theater Berlin und der Volksbühne am Rosa- Luxemburgplatz. Seit 1989 steht Marie-Lou Sellem auch vor der Kamera. Christoph Schlingensief besetzte sie in seinem Kinofilm „100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker“ und 1996 folgte Tom Tykwers „Der Winterschläfer“, in welchem sie eine der Hauptrollen übernahm.

    2001/2002 war sie gleich in drei hoch gelobten Kinoproduktionen zu sehen. Ihre Leistungen in dem Drama „Mein Bruder der Vampir“, der Coming-of-age-Geschichte „Nichts bereuen“ und dem Kinderfilm „Hilfe, ich bin ein Junge“ brachten ihr beim Deutschen Filmpreis 2002 eine Nominierung als beste Nebendarstellerin ein.

    Als weitere Kinoproduktionen folgten „Marseille“ von Angela Schanelec, „Leben mit Hannah“ von Erika von Möller und „Früher oder später“ von Ulrike von Ribbeck. Zuletzt war Marie-Lou Sellem in Reiner Matsutanis „Gangs“ und Franz Müllers „Die Liebe der Kinder“ im Kino zu sehen.

    Mit Michael Gutmanns „Nur für eine Nacht“ gab Marie-Lou Sellem 1996 ihr Fernsehdebüt. Es folgten zahlreiche Fernsehspiele und Tatorte. In 2005 spielte Marie-Lou Sellem zum ersten Mal an der Seite Ulrich Tukurs in Elmar Fischers „Dornröschen erwacht“.

  • JOSEF BIERBICHLER (Dr. Breuer)

    Im Alter von 23 Jahren entschloss sich Josef Bierbichler zu einer professionellen Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg Schule in München. Mit dem Dramatiker und Regisseur Herbert Achternbusch, den er Mitte der siebziger Jahre kennenlernte, verband ihn eine intensive Zusammenarbeit, aus der die Filme „Atlantikschwimmer“ (1975), „Bierkampf“ (1977), „Servus Bayern“ (1977) und zahlreiche weitere hervorgingen. Bierbichler stand in den folgenden Jahren auch für die Regisseure Werner Herzog (Herz aus Glas, 1976; Woyzeck, 1979), Michael Haneke (Code: unbekannt, 2000; Das weiße Band, 2009), Jan Schütte (Abschied – Brechts letzter Sommer, 2000) und Tom Tykwer (Die tödliche Maria, 1993; Winterschläfer, 1997) vor der Kamera. Für Hierankl (2003), seine erste Zusammenarbeit mit Regisseur Hans Steinbichler, wurde Bierbichler als bester Hauptdarsteller für den Deutschen Filmpreis nominiert und mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet. Für seine Rolle in Steinbichlers Drama „Winterreise“ (2006) wurde er 2007 mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller geehrt. 2008 spielte er die männliche Hauptrolle in Caroline Links „Im Winter ein Jahr“, die ihm eine weitere Nominierung für den Deutschen Filmpreis einbrachte.

    Neben seiner Arbeit für Film und Fernsehen blieb er immer dem Theater treu und wurde von der Jury des Fachblattes „Theater heute“ mehrfach zum Schauspieler des Jahres ernannt sowie u.a. mit dem Gertrude-Eysoldt-Ring ausgezeichnet. Zuletzt war er in Thomas Roths Brand – „Eine Totengeschichte“ (2011) auf der Leinwand zu sehen. 2011 veröffentlichte Josef Bierbichler seinen hoch gelobten Debütroman „Mittelreich“. Zuletzt spielte Bierbichler in dem ZDF Mehrteiler „Verbrechen“.

Pressestimmen
„WUCHTIG UND EMOTIONAL
MITREISSEND.“

ARD TAGESTHEMEN
 
„EIN AUSFLUG IN EINE
BERAUSCHENDE WELT.“

FAZ
 
„EIN TOLLER FILM“.
ZEIT MAGAZIN
„DICHT AM LEBEN,
SCHNÖRKELLOS UND INTENSIV.“

„EIN WUNDERBARER, EIN STARKER FILM.“

ZDF HEUTE JOURNAL
„GROSSARTIGE LANDSCHAFTEN,
GROSSARTIGE SCHAUSPIELER –
MAN SPÜRT DIE HITZE,
DIE FLIRRENDE LUFT,
DAS RAUSCHHAFTE,
DAS GLÜCK.“

TAGESSPIEGEL
 
„EIN GROSSARTIGER FILM.“
FAZ
„CAROLINE LINK KANN KINO,
GANZ GROSSES KINO.“

BLICKPUNKT FILM
 
„SO WUCHTIG, SO EMOTIONAL
MITREISSEND, DASS MAN SICH DEM SOG DER BILDER KAUM
ENTZIEHEN KANN.“

ARD TAGESTHEMEN
„PRÄCHTIGE LANDSCHAFTEN ALS KULISSE TASTENDER
ANNÄHERUNGSVERSUCHE.“

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Caroline Link (Buch / Regie)
  • Caroline Link wurde am 2. Juni 1964 in Bad Nauheim geboren. 1986 nahm sie ihr Studium im Fachbereich Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Film und Fernsehen München auf. Ihr Abschlussfilm „Sommertage“ wurde 1990 auf den Hofer Filmtagen mit dem Kodak-Förderpreis ausgezeichnet.

    Nebenbei arbeitete sie als Regieassistentin und Drehbuchautorin (u.a. für die Krimiserie „Der Fahnder“). 1992 entstand für das ZDF der Kinderfilm „Kalle der Träumer“. Im gleichen Jahr begann Caroline Link mit der Recherche für das Drehbuch zu „Jenseits der Stille“ über ein gehörloses Elternpaar und seine musisch begabte Tochter, dass sie 1995 verfilmte. Das Drama wurde 1998 für einen Oscar® als Bester fremdsprachiger Spielfilm nominiert und machte Caroline Link auch international bekannt. Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Filmpreis, den Bundesfilmpreis in Silber, den Gildefilmpreis in Gold sowie im Ausland Preise als Bester Film der Festivals von Tokio, Chicago, Vancouver und Kalkutta.

    1999 bewies sie mit der erfolgreichen Erich Kästner-Adaption „Pünktchen und Anton“ erneut ihr Gespür für anrührende Geschichten. Auch für diesen Film wurde sie mit mehreren nationalen und internationalen Preisen geehrt, u.a. mit dem Bayerischen Filmpreis.

    Den Oscar® für den Besten fremdsprachigen Film erhielt Caroline Link schließlich mit „Nirgendwo in Afrika“ (2001). Die Stefanie Zweig-Adaption wurde mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet und war wie die vorangegangenen Werke auch kommerziell ein großer Erfolg: Die drei Filme lockten jeweils zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Zuschauer ins Kino.

    Zuletzt inszenierte Link das Drama „Im Winter ein Jahr“ (2008) nach dem Roman von Scott Campbell über eine Mutter und ihre Tochter, die sehr unterschiedlich mit der Trauer nach dem Selbstmord des Sohns umgehen. Hauptdarstellerin Karoline Herfurth wurde dafür mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin und dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Regisseurin Caroline Link wurde mit dem Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Beste Regie geehrt. Der Film gewann außerdem den Deutschen Filmpreis in Silber in der Kategorie Bester Spielfilm und Filmkomponist Niki Reiser wurde für die Beste Filmmusik honoriert. Nominiert waren zudem Hauptdarsteller Josef Bierbichler und Patricia Rommel für den Besten Schnitt.

Caroline Link (Interview)
  • Wieso spielt Ihre Geschichte in Marokko?
    Bevor ich wusste, wie meine Geschichte genau verlaufen würde, wusste ich bereits, dass sie in Marokko spielen sollte. Vor über zwanzig Jahren hatte ich eine Reise mit Dominik (Graf, Caroline Links Ehemann, Anm. d. Red.) dahin gemacht und hatte sie sehr intensiv in Erinnerung. 2011 bin ich dann mit Peter Herrmann, meinem Produzenten, noch mal an die gleichen Orte gefahren. Er hat mir die Freiheit gegeben, erst einmal das Land auf mich wirken zu lassen und Ideen zu sammeln und er hat gesagt: „Guck mal, was Dir dazu einfällt.“ Wir hatten einen Serviceproduzenten vor Ort, der uns viele Anekdoten und Geschichten über sein Land erzählt hat und der mich ziemlich inspiriert hat. Die gleiche Story hätte mich wahrscheinlich an einem anderen Platz nicht so interessiert. Marokko, die arabische, fremde Kultur bringt ein Gefühl von Gefahr und Sinnlichkeit in diesen Vater-Sohn-Konflikt, das hat mich gereizt.

    Haben Sie das Land nach zwanzig Jahren so wahrgenommen wie beim ersten Mal?
    Nein, es hat sich extrem verändert. Das Marokko, dass ich vor zwanzig Jahren erlebt habe, habe ich nicht mehr gefunden. Marokko ist heute bis in den letzten Winkel, bis mitten in die Wüste hinein touristisch erschlossen – ganz anders als vor zwanzig Jahren. Aber ich fand die Idee interessant, mit diesem Tourismus und im Gegensatz dazu mit unserem klischeehaften Marokkobild zu spielen. Der Junge hat zum Beispiel in der Wüste kein großes Naturerlebnis, sondern er macht diesen absurden Quatsch mit, auf den Dünen Ski zu fahren. Das fand ich interessanter, als die Marokkobilder zu bestätigen, die wir aus der Literatur oder dem Kino bereits bis zum Abwinken kennen.

    Sie scheinen diese Entwicklungen in Marokko aber zu bedauern, wenn ich an verschiedene Sätze Ihrer Figuren denke.
    Ich bedauere das nicht. Das Leben ist für viele Marokkaner angenehmer geworden. Ich fände es zynisch zu sagen: „Schade, ihr seid gar nicht mehr so pittoresk arm wie vor zwanzig Jahren. Da hattet ihr noch gar keinen Strom, und es war alles irgendwie so ursprünglich.“ Natürlich ist ein gewisser Charme verloren gegangen. Es wurde besonders in Marrakesch viel zu viel gebaut und einige dieser Hotels und Shoppingcenter stehen heute leer.

    Ihre Figuren nehmen Marokko sehr unterschiedlich wahr. Der Sohn bereist das Land mit offenen Augen, der Vater bleibt im Luxushotel, auch weil er glaubt, ohnehin schon alles über das Land zu wissen. Haben Jugendliche die bessere Sicht auf die Welt?
    Sie haben nicht so viele Ängste. Wenn man erwachsen ist und schon ein bisschen was erlebt und gelesen hat, dann hat man manchmal vorschnell Meinungen. Ich merke selber, dass ich mir manchmal anmaße, Menschen relativ schnell beim ersten Gespräch zu beurteilen, und ich bin nicht mehr ganz so offen, neue Menschen in mein Leben zu lassen. Manchmal gibt man den Menschen oder den Orten gar nicht die Chance sich von einer anderen Seite zu zeigen. Wenn man jung ist und vieles zum ersten Mal macht, hat man eine viel größere Bereitschaft, die Dinge einfach mal geschehen zu lassen.

    Was hat sie an dem Verhältnis von Vater und Sohn gereizt?
    Für mich beginnt jedes Drehbuch mit einer starken Konstellation. Es geht nicht nur um einen Protagonisten, sondern ebenso sehr geht es um sein Gegenüber. In der Literatur können das verschiedene Figuren sein. Ich glaube, im Kino sollte sich der Kern der Geschichte vor allem um zwei Menschen drehen. Zu mehr reicht die Zeit meistens nicht! Bisher waren das in meinen Geschichten meist Familienkonstellationen. Vaterfiguren spielen eine große Rolle, ich kann nicht wirklich beantworten warum. Ich hatte eine intensive und herzliche Beziehung zu meinem Vater. Aber es sind diese Emotionen, die mich bewegen, wenn ich mir eine Geschichte überlege. Dieser Ben ist ein pubertierender, junger Erwachsener, der seinen Vater eigentlich gar nicht kennt. Und damit einen Teil von sich selbst. In meinem Umfeld gibt es erstaunlich viele Kinder, die ohne Väter aufwachsen. Was wird aus dieser Generation, die extrem geprägt ist von alleinerziehenden Müttern? Vor allem Jungs fühlen sich ihren Müttern gegenüber oft verpflichtet. Manchmal überfordert sie diese Situation.

    Wie konnten Sie sich in einen 17-jährigen Jungen hineinversetzen?
    Ich muss mich nicht immer in meine Protagonisten hineinversetzen. Ich kann mich auch nicht in einen gehörlosen Vater (Jenseits der Stille, Anm. d. Red.) hineinversetzen. Ich versuche, mir als Autor meinen Reim darauf zu machen.

    Haben Sie bei Ihren Figuren reale Vorbilder vor Augen?
    Ja, real existierende Personen fließen bei der Figurengestaltung und in die Dialoge mit ein.

    Wie sind deren Reaktionen, wenn sie sich wiedererkennen?
    Wenn sie nicht zu schlecht dabei weg kommen, finden sie es wahrscheinlich gut. Meine Familie hat sich immer in meinen Filmen, vor allem in Jenseits der Stille und Nirgendwo in Afrika wiedergefunden, obwohl sie konkret nicht vorkommt. Aber trotzdem spürt sie den Geist unserer Familie. Das Zitat „Manchmal ist die Fantasie besser als die Realität“ (aus EXIT MARRAKECH, Anm. d. Red.) ist von meinem Mann Dominik. Das ist ein Thema, über das wir viel diskutieren: Was muss man selber erleben? Reicht es nicht manchmal auch, etwas durch die Augen eines klugen Autors zu erleben?

    Und wie ist die Antwort?
    Wie immer liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ich habe immer versucht, selbst möglichst viel zu erleben, aber ich habe auch davon profitiert, dass Dominik mir auf den Reisen die passende Literatur gegeben hat. Und wenn man mit den Augen von Thomas Mann auf Venedig blickt, ist Venedig sogar noch ein bisschen spannender (lacht).

    Und was braucht es neben der starken Figurenkonstellation noch für ein gutes Drehbuch?
    Ich glaube, ein Kinofilm ist dann für ein größeres Publikum interessant, wenn es einen intensiven und emotionalen inneren Kern in einer Geschichte gibt und zudem eine äußere Attraktion. Also, der Konflikt muss für uns nachvollziehbar und bewegend sein, aber das alleine reicht nicht unbedingt. Es ist sehr hilfreich, wenn dieser universelle Konflikt durch eine fremde, äußerlich attraktive Welt intensiviert wird. In meinen Filmen war das bisher die Welt der Gehörlosen, Afrika, das Atelier eines Malers. Welten, die die Kinobesucher sonst eher nicht betreten. Die Leute denken, sie gehen wegen der schönen Afrikabilder ins Kino, aber berühren tut sie der Film nur, wenn der intime, innerste Kern sie erreicht und anspricht. Ich liebe es, in der Recherchezeit solche neuen fremden Welten zu betreten. Ich empfinde das als Privileg meines Berufs! Die emotionale Substanz meiner Geschichten muss ich allerdings ganz alleine aus meinem Innersten holen.

DVD & BLU-RAY
  • Technische Daten DVD:

    FSK: 6
    Laufzeit: 118 Min.
    Bild: 2,35:1 anamorph
    Sprache/Ton: Deutsch, Hörfilmfassung
    (5.1 Dolby Digital)
    Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
    Extras:
          · Audiokommentar mit Caroline Link,
            Samuel Schneider und Peter Herrmann
          · Making of
          · Geschnittene Szenen
          · Interviews
          · Trailer

    · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ·

    Technische Daten BLU-RAY:

    FSK: 6
    Laufzeit: 122 Min.
    Bild: 2,35:1 1080/24p
    Sprache/Ton: Deutsch, Hörfilmfassung
    (5.1 DTS-HD Master Audio)
    Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
    Extras:
          · Audiokommentar mit Caroline Link,
            Samuel Schneider und Peter Herrmann
          · Making of
          · Geschnittene Szenen
          · Interviews
          · Trailer